Vom Funktionieren zurück ins Fühlen

Big Time Happy Mental Health Weeks: 10 Wochen, 10 Artikel, dein Weg aus dem Stress.

Teil 1: Meine Burnout-Geschichte und warum wir das Tabu brechen müssen

Mein Leben bestand über Jahre hinweg aus nur drei Worten: Arbeiten, essen, schlafen. Ich steckte in einem Job fest, den ich eigentlich verabscheute (es mir aber nicht eingestand), und funktionierte nur noch. Ich habe mich hochgearbeitet, gemacht, getan, alles gegeben – und bekam kaum etwas zurück. Der Schritt aus dem eigenen Team heraus zur Führungskraft machte es nicht leichter. Plötzlich schlug mir von den ehemaligen Kolleginnen (ein reines Frauenteam) Neid und Gehässigkeit entgegen.

Dazu kam der alltägliche Wahnsinn: Ein lautes Großraumbüro, ständig schrillende Telefone, permanenter Lärm und das deprimierende Gefühl, dass all der Einsatz überhaupt nicht wertgeschätzt wird. Über viiiiiele Monate hinweg schickte mein Körper mir Warnsignale, die ich geflissentlich ignorierte: Ich nahm an Gewicht zu, bekam durch den permanenten Bluthochdruck plötzliches Nasenbluten, hatte Atemprobleme, stand unter Daueranspannung und weinte heimlich auf der Toilette, um danach mit steinerner Miene wieder an den Schreibtisch zu gehen. Dieser Dauerstress veränderte mich: Er machte mich hart im Umgang mit Menschen.

Bis der Knall kam. Ich bekam kaum noch Luft. Es fühlte sich an als hätte ich einen Betonring um die Brust. Mein Arzt zog mich aus dem Verkehr. Doch das reichte nicht. Ich zog die Reißleine und kündigte meinen Job. Doch statt der erhofften Befreiung zog mir dieser Schritt erst einmal komplett den Boden unter den Füßen weg. Ich fiel in eine tiefe Depression. Gott sei Dank fand ich damals zeitnah einen Therapieplatz. Anderthalb Jahre lang war ich krankgeschrieben – eine Zeit des Stillstands, aber auch der tiefen inneren Aufräumarbeit.

Erst nach und durch diesen Weg der Heilung begann meine Reise in die Tiefen der Psychologie. Heute weiß ich genau, was damals mit mir passiert ist. Und genau deshalb starte ich heute meine 10-teilige Artikelreihe über mentale Gesundheit. Weil ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn der Boden wegbricht.

Das Tabu brechen

Viel zu oft verstecken wir unsere Erschöpfung hinter einer Maske aus „Alles super, danke!“. Wir schämen uns, wenn wir im Großraumbüro oder im Alltag nicht mehr Schritt halten können, und weinen lieber heimlich, statt uns Hilfe zu suchen. Nur keine Schwäche zeigen!

Doch mentale Gesundheit ist kein Luxusthema für Wellness-Wochenenden. Sie ist das Fundament unseres Lebens. Es wird Zeit, dass wir aufhören, psychische Belastungen als Schwäche abzutun. Wenn in unserem Auto eine Warnleuchte blinkt, fahren wir in die Werkstatt. Wenn unsere Seele und unser Körper blinken – sei es durch Bluthochdruck oder Tränen –, drücken wir viel zu oft auf „Ignorieren“. Das muss sich ändern.

Wer ist betroffen?

Dass Stress und Erschöpfung keine Einzelschicksale sind, zeigen die nackten Zahlen der Krankenkassen jedes Jahr aufs Neue. Psychische Erkrankungen sind mittlerweile der zweithäufigste Grund für Krankschreibungen in Deutschland. Und wer im Burnout landet, fällt nicht mal eben für drei Tage aus: Im Schnitt dauert eine Ausfallzeit wegen einer psychischen Diagnose 30 bis 40 Tage.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie dunkel sich dieser Weg im „Arbeiten-Essen-Schlafen“-Modus anfühlt. Aber ich weiß eben auch, wie man da wieder herauskommt, die eigene Weichheit und Lebensfreude wiederfindet und sich ein Leben aufbaut, das zu einem passt. Genau das ist meine Mission mit Big Time Happy.

In den kommenden 9 Wochen werden wir uns Schritt für Schritt ansehen, was Stress im Körper anrichtet (wie mein damaliges Nasenbluten), wie du deine inneren Antreiber entlarvst und wie du dir ein unerschütterliches seelisches Immunsystem (Resilienz) aufbaust.

Schreib mir gern! Kennst du diesen „Arbeiten, essen, schlafen“-Modus von dir selbst? Wo stehst du gerade auf deiner Stress-Skala? Und nimm dir für heute eine Sache mit: Du musst da nicht alleine durch.

Ich freue mich über Weiterempfehlung:

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