Stress – Der unsichtbare Saboteur

Big Time Happy Mental Health Weeks: 10 Wochen, 10 Artikel, dein Weg aus dem Stress.

Teil 2: Was Stress wirklich ist (und die 5 Ebenen, auf denen er dich trifft)

Im ersten Teil meiner Reihe habe ich dir erzählt, wie mich der Dauerstress in meinem alten Job bis in den Burnout und die Depression getrieben hat. Ich habe die Warnsignale meines Körpers – das Nasenbluten, das Weinen auf der Toilette – ignoriert. Aber warum reagiert unser Körper eigentlich so extrem?

Um Stress effektiv zu bewältigen, müssen wir erst einmal verstehen, was da unter unserer Haut passiert. Stress ist nämlich kein modernes Phänomen und auch keine Einbildung. Er ist ein uraltes, biologisches Notfallprogramm, das unser Überleben sichern soll – uns im modernen Alltag aber oft unbemerkt sabotiert.

Die Biologie des Stresses – Der Säbelzahntiger im Großraumbüro

Evolutionär gesehen ist unser Gehirn noch genau auf dem Stand der Steinzeit. Wenn damals ein Säbelzahntiger vor uns stand, musste es blitzschnell gehen. Das Gehirn schlägt Alarm und schüttet innerhalb von Millisekunden Stresshormone aus: Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol.

Das bewirkt im Körper Folgendes:

  • Herzschlag und Blutdruck schießen hoch, um die Muskeln mit Sauerstoff zu versorgen (erinnerst du dich an mein Nasenbluten aus Teil 1? Das war genau dieser Dauerdruck).
  • Die Atmung wird flacher und schneller.
  • Unwichtige Systeme werden abgeschaltet: Die Verdauung wird gedrosselt, das Immunsystem heruntergefahren und das rationale Denken im Großhirn wird blockiert. Im Notfall müssen wir schließlich rennen oder kämpfen („Fight or Flight“), nicht logisch nachdenken.

Das Problem heute: Der Säbelzahntiger ist weg. Stattdessen sind es das ständig schallende Telefon im Großraumbüro, der schwelende Konflikt mit den Kolleginnen oder die Existenzangst, die unser System triggern. Und weil wir weder rennen noch kämpfen, bleiben die Stresshormone im Blut. Aus akutem Stress wird Dauerstress – und der macht uns chronisch krank.

Die 5 Stressebenen – Wo trifft es dich?

Stress ist ein Chamäleon. Er zeigt sich bei jedem Menschen anders. In der Beratung unterteilen wir Stress in fünf verschiedene Ebenen. Schau mal, wo du dich am ehesten wiedererkennst:

  1. Die kognitive Ebene (Deine Gedanken): Dein Gehirn läuft Amok. Du leidest unter Konzentrationsstörungen, Blackouts, ständigen Grübeleien oder dem Gefühl von innerer Leere („Tunnelblick“).
  2. Die emotionale Ebene (Deine Gefühle): Du wirst dünnhäutig. Gereiztheit, Angst, Panikattacken, eine tiefe innere Unruhe oder – wie bei mir damals – weinen auf der Toilette zeigen, dass die emotionale Last zu schwer wird.
  3. Die behaviorale Ebene (Dein Verhalten): Wie du nach außen agierst. Vielleicht wirst du im Umgang mit anderen Menschen härter, ziehst dich sozial zurück, entwickelst nervöse Angewohnheiten wie Fingernägelkauen, „Füppeln“ mit den Fingern oder ständiges Fußwippen (in der Fachsprache nennt man das oft Körperfokussierte repetitive Verhaltensweisen) oder dein Essverhalten ändert sich drastisch.  
  4. Die vegetativ-hormonelle Ebene (Deine unbewussten Körperfunktionen): Dein Körper läuft auf Hochtouren. Das zeigt sich durch Herzrasen, Atemnot, übermäßiges Schwitzen, Schlafstörungen oder einen permanent erhöhten Blutdruck.
  5. Die muskuläre Ebene (Deine Muskeln): Der Körper bereitet sich auf den Kampf vor. Die Folge sind chronische Rückenschmerzen, Nackenverspannungen, Zähneknirschen in der Nacht oder Spannungskopfschmerzen.

Stress fängt im Kopf an, aber er sucht sich seinen Weg durch alle fünf Ebenen deines Seins. Wenn du das nächste Mal merkst, dass sich dein Nacken verspannt oder du gereizt auf dein Umfeld reagierst, weißt du jetzt: Das ist dein biologisches Notfallprogramm, das gerade keinen Ausweg findet.

Im nächsten Teil der Reihe (Teil 3) schauen wir uns ganz genau an, was passiert, wenn dieser Zustand chronisch wird und wie Stress uns handfest körperlich krank machen kann.

Jetzt bist du dran: Auf welcher der 5 Ebenen spürst du Stress bei dir als Erstes? Sind es die Nackenverspannungen oder eher das endlose Gedankenkarussell am Abend? Schreib es mir gern.

Ich freue mich über Weiterempfehlung:

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