Der Saboteur in meinem Kopf

Big Time Happy Mental Health Weeks: 10 Wochen, 10 Artikel, dein Weg aus dem Stress.

Teil 4: Wie unsere eigenen Gedankenmuster den Stress erst richtig füttern

In den letzten Wochen haben wir gelernt, wie Stress im Körper wirkt und welche psychosomatischen Notbremsen er zieht, wenn wir nicht rechtzeitig stopp sagen. Doch Hand aufs Herz: Woher kommt dieser ganze Druck eigentlich?

Klar, da sind die äußeren Faktoren: Das laute Großraumbüro, der Stapel auf dem Schreibtisch, die Erwartungen von außen. Aber warum lässt die eine Person der volle Posteingang völlig kalt, während der Kollege schlaflose Nächte hat?

Die Antwort liegt nicht im Außen. Sie liegt in dem, was wir uns selbst Tag für Tag mental antun. Ich nehme mich da selbst überhaupt nicht aus: Ich gehöre (noch immer) zu den Menschen, die am liebsten alles selber machen wollen, anstatt zu delegieren. Mein inneres Motto hieß viel zu oft: „Arbeit zu mir!“ Ich dachte immer: Ich muss leisten, sonst bin ich nicht gut genug (ein kleiner Ausblick auf einen der inneren Antreiber, die wir uns in Teil 6 noch genauer ansehen). Dieses Muster hat den Druck damals enorm vergrößert. 

Willkommen in der Welt der hausgemachten Stressverstärker!

Was sind Stressverstärker? (Die Brille, durch die wir die Welt sehen)

In der Stressforschung unterscheiden wir zwischen dem Stressor (dem Auslöser im Außen) und dem Stressverstärker (unserer inneren Bewertung). Stressverstärker sind tief sitzende Gedankenmuster, Glaubenssätze und Einstellungen, die wir oft schon seit unserer Kindheit in uns tragen. Sie wirken wie ein Brandbeschleuniger: Sie machen aus einer kleinen Funke (einer Bitte des Chefs) ein riesiges Flammenmeer (Existenzangst und Perfektionismusdruck).

Hier sind vier der häufigsten mentalen Saboteure. Schau mal, welchen du besonders gut kennst:

  • Der Perfektions-Wahn („Es ist nie gut genug“): Du gibst immer 150 Prozent. Fehler sind für dich eine Katastrophe. Jede Aufgabe wird dreimal kontrolliert. Das Ergebnis? Du bist permanent erschöpft, weil „gut“ für dich einfach nicht reicht.
  • Die Harmonie-Falle („Ich muss es allen recht machen“): Ein klares „Nein“ zu anderen fühlt sich für dich an wie ein Verbrechen. Du lädst dir die Arbeit von Kolleginnen auch noch auf den Tisch, nur um niemanden zu enttäuschen – und sagst damit ununterbrochen „Nein“ zu dir selbst.
  • Der Kontroll-Zwang („Ich muss alles im Griff haben“): Delegieren? Lieber nicht, selbst gemacht ist schließlich am sichersten. Du trägst die Verantwortung für das gesamte Universum und verlierst völlig die Fähigkeit, einfach mal loszulassen und zu vertrauen.
  • Das Katastrophen-Denken („Was ist, wenn…?“): Dein Gehirn ist ein Meister darin, das Worst-Case-Szenario zu malen. Aus einer kleinen Kritik strickst du in Gedanken sofort die Kündigung, die Pleite und den sozialen Abstieg. Dein System läuft im Dauer-Alarm. Das ist wie eine Gedanken- und Katastrophenlawine, die einmal losgetreten, einfach nicht mehr halt macht und dich völlig überrollt.

Der Blick von außen

Das Vertrackte an diesen Mustern ist: Sie fühlen sich für uns völlig normal an. Sie sind so tief in unserer Identität verankert, dass wir sie selbst oft gar nicht mehr als das Problem erkennen. Wir denken einfach: „Ich bin halt so.“

Aber das stimmt nicht. Diese Muster wurden irgendwann gelernt – und das bedeutet, sie können auch wieder verlernt werden. Genau hier stößt man alleine aber oft an Grenzen. Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Bei Big Time Happy unterstütze ich dich genau an diesem Punkt, um diese inneren Saboteure zu entlarven und Schritt für Schritt aufzulösen:

  • Mein SelfCare-Mentoring (Einzelbegleitung): Hier nehmen wir uns im geschützten Raum Zeit für deine ganz persönliche Reflexion. Wir schauen uns an, in welchen Situationen deine Gedanken die Stressspirale anwerfen, und erarbeiten ganz konkrete, neue Denkmuster, die dir wieder Luft zum Atmen geben.
  • Eine Systemische Aufstellung: Manchmal liegen die Wurzeln dieser Muster tief im Familiensystem oder in früheren Dynamiken (z.B. dem alten Arbeitsplatz). Durch den systemischen Blick von außen machen wir diese unsichtbaren Verstrickungen im Raum sichtbar. Du erkennst plötzlich glasklar, warum du diese Last trägst – und kannst sie endlich getrost dort zurücklassen, wo sie hingehört.

Du bist deinen Gedanken nicht hilflos ausgeliefert. Sie sind nur Muskeln, die du über Jahre hinweg in die falsche Richtung trainiert hast. Es ist Zeit für ein neues Training.

In zwei Wochen (in Teil 6) werden wir uns diese Antreiber noch einmal ganz genau im Detail anschauen. Nächste Woche (Teil 5) machen wir aber erst einen wichtigen Zwischenstopp und schauen uns an, was passiert, wenn all das im Zustand der absoluten Erschöpfung endet: Dem Burnout.“

Und jetzt zu dir: Welcher der vier Stressverstärker ertappt dich gerade am meisten? Ist es der Perfektionismus oder die Harmonie-Falle? Lass es mich gern wissen – das Erkennen ist bereits der erste Schritt zur Veränderung.

Ich freue mich über Weiterempfehlung:

Beitrag veröffentlicht

in

von: