Die 12 Stufen in die absolute Erschöpfung

(… und meine eigene Geschichte)

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Teil 5: Der Burnout

Es passiert selten über Nacht. Burnout ist kein plötzlicher Wetterumschwung, sondern ein schleichender Prozess, der sich über Monate oder gar Jahre anbahnt. Wir ignorieren die Warnsignale, trinken mehr Kaffee, rauchen, beißen die Zähne zusammen – bis der Körper irgendwann die Notbremse zieht.

Bei mir war es der Tag, an dem ich schlichtweg keine Luft mehr bekam. Mein Arzt zog mich sofort aus dem Verkehr. Was folgte, war keine schnelle Genesung, sondern eine zermürbende Odyssee durch unser Gesundheitssystem.

Der blinde Fleck des Systems

Wenn das Nervensystem kollabiert, suchen wir Hilfe bei den Experten. Doch die Realität sah bei mir damals ernüchternd aus: Jeder Arzt schaute nur durch sein ganz kleines Fokusfenster.

  • Der eine Arzt meinte durch die Blume: „Nehmen Sie ab, dann geht es Ihnen besser.“
  • Eine andere Ärztin behauptete unverblümt: Stress könne niemals so lange anhalten, dass daraus solche Atembeschwerden resultieren. Die Diagnose: Asthma. Die Lösung: Ein Asthmaspray mit Kortison.

So gingen wertvolle Wochen ins Land. Um mir zu „helfen“, stufte mein damaliger Arbeitgeber mich von der Führungskraft zur normalen Mitarbeiterin herunter – inklusive Gehaltskürzung. Mein Pensum? Sollte ich bitte wie gewohnt weiterführen, mitten im lautstarken Großraumbüro, begleitet vom ständigen Telefongeklingel und dem bitteren Neid mancher Kolleginnen.

Ich zog schließlich die Reißleine und kündigte. Doch wer glaubt, dass danach alles sofort gut wurde, irrt. Die Kündigung zog mir endgültig den Boden unter den Füßen weg. Anstatt der erhofften Erleichterung glitt ich tief in eine Depression ab. Ein sehr langer Weg der Heilung lag vor mir.

Wer ist besonders gefährdet?

Meine Geschichte ist kein Einzelfall. Burnout trifft keineswegs die „Schwachen“, sondern vor allem die Engagierten, die Verantwortungsbewussten und diejenigen, die Tag für Tag alles geben.

Statistisch gesehen schlägt die absolute Erschöpfung vor allem in Branchen zu, in denen intensiv mit und an Menschen gearbeitet wird, oder wo hoher Druck auf geringen Handlungsspielraum trifft:

RangBerufsgruppe / BrancheHauptgründe
1Gesundheits- & Sozialwesen (Pflege, Erzieher, Ärzte)Personalmangel, enorme emotionale Belastung, Schichtdienst
2Bildung & Unterricht (Lehrer, Dozenten)Hoher Lärmpegel, psychischer Druck, mangelnde Abgrenzung
3Öffentliche VerwaltungMonotonie gepaart mit hohem Termindruck
4IT & DienstleistungenStändige Erreichbarkeit („Always-on“-Mentalität), Projekt-Deadlines

Die 12 Stufen nach Freudenberger: Wo stehst du?

Damit du nicht erst an den Punkt kommen musst, an dem die Luft wegbleibt, hilft der Blick auf das klassische 12-Stufen-Modell nach Herbert Freudenberger. Der Übergang von Stufe zu Stufe ist fließend:

  1. Der Zwang, sich zu beweisen: Übersteigerter Ehrgeiz und hohe Erwartungen an sich selbst.
  2. Verstärkter Einsatz: Das Gefühl, alles alleine machen zu müssen; Unfähigkeit abzugeben.
  3. Vernachlässigung eigener Bedürfnisse: Schlaf, gesunde Ernährung und soziale Kontakte werden zweitrangig.
  4. Verdrängung von Konflikten: Erstmalige körperliche Warnsignale werden überspielt.
  5. Umdeutung von Werten: Hobbys und Freunde werden als belastend oder zeitraubend empfunden.
  6. Verstärkte Leugnung der Probleme: Intoleranz, Zynismus und Gereiztheit gegenüber dem Umfeld nehmen zu.
  7. Rückzug: Orientierungslosigkeit, Gefühle von Wertlosigkeit und Isolation.
  8. Verhaltensänderung: Die Umwelt nimmt eine deutliche Wesensveränderung oder Apathie wahr.
  9. Depersonalisierung: Das eigene Leben fühlt sich fremd an – man funktioniert nur noch wie ein Roboter.
  10. Innere Leere: Das Gefühl von Leere wird oft durch Essen, Alkohol oder Ablenkung betäubt.
  11. Depression: Tiefste Sinnlosigkeit, Verzweiflung und chronische Erschöpfung.
  12. Völlige Burnout-Erschöpfung: Geistiger und körperlicher Zusammenbruch.

Bitte wende dich an eine Person des Vertrauens!

Wenn du dich in diesen Stufen oder in meiner Geschichte wiedererkennst: Bitte warte nicht, bis gar nichts mehr geht. Burnout ist keine Schande und kein persönliches Versagen – es ist das Signal deines Körpers, dass das System überlastet ist.

Suche dir rechtzeitig Hilfe. Vertraue dich deinem Hausarzt, einer Therapeutin oder einem Menschen aus deinem Umfeld an, dem du vollkommen vertraust. Du musst diesen Weg nicht alleine gehen.

Wichtiger Hinweis in eigener Sache:

Als psychologische Beraterin, systemische Coachin und Entspannungstrainerin begleite ich Menschen präventiv sowie lösungsorientiert auf ihrem Weg zu mehr Eigenfürsorge und innerer Balance. Ich bin jedoch keine Psychotherapeutin. Meine Angebote ersetzen keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Solltest du dich in einer akuten Krise oder einer tiefen Depression befinden, wende dich bitte umgehend an medizinisches Fachpersonal oder eine psychotherapeutische Praxis.

Im nächsten Teil (Teil 6) schauen wir uns ganz konkret an, welche inneren Antreiber uns Schritt für Schritt diese Stufen hinuntertreiben – und wie du lernen kannst, dich liebevoll abzugrenzen.

Ich freue mich über Weiterempfehlung:

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